Die Französische Bulldogge im Altertum


Die Geschichte dieses kleinen, kräftigen und verspielten Hundes reicht weit zurück. Sie beginnt mit dem ersten „Importhund“, dem Molosser auf die Insel Großbritannien. Beteiligt sind die römischen Invasoren, die ca. 55 v. Chr. in Begleitung dieser damals großen und wehrhaften Hunde ankamen.

Die Römer liebten diese großen Hunde aus Kleinasien als Kriegshunde, die Mensch und Material mutig bewachten. Den Ruf als Kampfhund tragen der Molosser und ihre Nachfahren damit eigentlich zu Unrecht. Der Molosser wurde in den damals vorhandenen Hundetyp eines breitmäuligen und körperlich überlegenen Tieres eingekreuzt.

Alexei, Tatiana und ihre Französisch Bulldogge Ortino im Park von Zarskoje Selo während der Gefangenschaft
Alexei, Tatiana und ihre Französische Bulldogge Ortino im Park von Zarskoje Selo während der Gefangenschaft.

Deren Nachkommen werden später als Mastiff bezeichnet. Alle molossoiden Hunde wie z.B. Deutsche Dogge, Rottweiler, Sennenhund, Englische und Französische Bulldogge (auch der kleine Mops) haben bis heute gewisse Rassemerkmale gemeinsam. Dazu gehören der breite Fang, eine weite Brust und die zum Teil lose Haut.

Ein englisches Hundeleben

Historische Aufnahme 1905
Zwei französische Bulldoggen auf dem Stuhl. Ca. 1905

Viele Kreuzungen später wird um 1500 zum ersten Mal der Name „Bulldog“ erwähnt. Und zwar in Form der Bezeichnungen Boldogge und Bondogge. Der tatsächliche Name Bulldogge sollte erst viel später (nämlich im 17. Jahrhundert) Erwähnung finden.

Der stämmige Körperbau, ein massiver Kiefer, noch mehr das schmerzunempfindliche, unerschrockene und hartnäckige Wesen machten den Bulldog ideal für Schaukämpfe gegen Bullen, Bären und Esel.

Die kurze Schnauze und Nase konnte sich in die Nase des Bullen verbeißen, ohne selbst in Luftnot zu geraten.

Die Wertvorstellungen dieser Zeit sind für unser heutiges Verständnis vom Wesen der Tiere abscheulich und grausam. Der Wandel zum Begleithund vollzog sich nur langsam.

Rettung naht

Selbst Descartes, berühmter französischer Naturwissenschaftler und Philosoph des 16. Jh. sah im Tier mehr eine Sache, denn ein fühlendes Wesen.

Französische Bulldogge ca. 1890
Französische Bulldogge ca. 1890

Um 1800 herum änderte sich die Einstellung allmählich und der Tierschutz gewann an Bedeutung. Das Bullbaiting (Tier- bzw. Bullenkämpfe) fand zunehmend ein Ende und fast hätte der Bulldog diesen Wandel nicht überlebt.

Wenn da nicht die Weber und Spitzenklöppler aus East London und Nottingham gewesen wären. Sie nahmen sich des Hundes an und züchteten weiter, bis er im Wuchs kleiner und im Wesen liebenswürdiger und friedlich wurde.

1836 taucht zum ersten Mal auf einer Hundeausstellung in London der Toy-Bulldog auf, wie er ab sofort heißt.

Die Reise nach Frankreich

Die industrielle Revolution ließ viele Weber um 1860 nach Frankreich in die Gegend um Calais auswandern, wohin auch der Toy-Bulldog folgte.

Fünf French Bulldog ca. 1907
Fünf French Bulldog ca. 1907

Die Zucht war willkommenes Zubrot in einer ansonsten kargen Zeit. Zuerst fanden Jäger Gefallen an dem Tier, das trotz neuer Wesenszüge noch immer kämpferisch zupacken konnte.

Es entwickelten sich zwei Linien: Der Jagdhund behielt seine englischen Ohren (Rosenohr) und die Hunde der Weber hatten plötzlich ein Fledermausohr, das den französischen Bully auszeichnet.

Wie viel Terrier und Mops am heutigen Aussehen beteiligt waren, lässt sich nicht mehr mit Bestimmtheit sagen.

Pariser Schick

French Bulldog Rico 1901
Rico – ca 1901

Von der Oberschicht belächelt wurde der „Terrier-Boule“ bald zum Liebling der Boheme von Paris.

1895 etwa verschwand der Jagdhundtyp, der alten englischen Bulldogge noch ähnlich. 1880 entstand der erste Verein in Paris mit illustren Mitgliedern u.a. aus der Pariser Unterwelt.

1888 wurden erstmals Rassemerkmale in Zuchtbüchern beschrieben. Als Stammvater gilt der Rüde „Loupi„, mit dessen Sohn der Lumpensammler Michel Mangés schon ein kleines Vermögen verdiente.

Zurück auf der Insel

Zwei Portraits - ca 1907
Zwei Portraits – ca 1907

1890 kehrte der Terrier-Boule zurück auf die Insel. Dort angekommen wurde er nach englischer Sitte mit viel Spott und Hohn bedacht.

Der kleine komische Hund mit den etwas krummen Vorderbeinen, dem leichten Vorbiss und den Stehohren wurde nicht ernst genommen.

Er war jedoch im Gegensatz zum größeren englischen Pendant ca. 15 kg leichter und viel wendiger. Nach heftigen Streitereien der Züchter untereinander wäre der Bully fast als Engländer vereinnahmt worden.

Der streitbare Hunderichter Mr. Krehl sorgte jedoch dafür, dass er Franzose bleiben durfte.

Britische Spleenigkeit trifft auf französische Eleganz

Die Zeit in Frankreich hat aus der behäbigen, grimmig dreinschauenden englischen Bulldogge einen lebenslustigen Familien- und Begleithund gemacht.

Jedem das Seine und das Beste aus zwei Welten. Beide Hunderassen haben ob ihrer liebenswerten schrulligen Eigenheiten ihre Liebhaber – die Französische Bulldogge ist vielleicht ein bisschen ausdauernder und energetischer als die englische Verwandte. Humor ist jedenfalls beiden Hunden zu eigen.

Bild einer Frau aus Frankreich mit Französischen Bulldoggen. Erstellt zwischen 1875 und 1917
Bild einer Frau aus Frankreich mit Französischen Bulldoggen. Erstellt zwischen 1875 und 1917

Interessante Französische Bulldoggen und ihre Besitzer

Ein Frenchie auf der Titanic – Gamin de Pycombe

Fast jeder dürfte James Camerons epischen Film über die unglücksselige Titanic gesehen haben. Das Schiff, welches vor über 100 Jahren sank, beherbergte aber nicht nur Menschen an Bord. Was wenige wissen: Es befand sich auch ein Dutzend Hunde auf dem Schiff, von denen jedoch nur 3 überlebten.

Einige Hunde waren bei ihren Besitzern in der Kabine, die meisten wurden jedoch in Zwingern untergebracht und von Crew-Mitgliedern versorgt. Darunter auch eine Französiche Bulldogge. Der Rüde hieß Gamin de Pycombe und gehörte dem US-Banker Robert Daniel. Als die Titanic in den eisigen Fluten versankt, war Gamin gerade einmal 2 Jahre alt.

Ein Ticket für die Transatlantikfahrt war nicht gerade billig und für Hunde galt der gleiche Preis, wie für ein Kind. Mr. Daniel zahlte damals rund 150 Britische Pfund. Heutzutage entspräche dies über 10.000 Pfund! Ein stolzer Preis.

Leider hat Gamin damals den Untergang nicht überlebt. Es gab aber Augenzeugen, die eine Französiche Bulldogge im Wasser gesehen haben wollen. Im Film Titanic gibt es sogar eine Szene, in welcher ein Frenchie an Rose und Jack vorbeischwimmt. Diese Szene wurde aber später herausgeschnitten. Trotzdem kann man recht am Anfang des Films eine Szene sehen, in der Hunde an Bord gezeigt werden. Darunter auch eine Französiche Bulldogge.

Dieser Filmhund hatte übrigens den Namen Thierry und wurde nach den Dreharbeiten vom Regisseur Cameron persönlich adoptiert. Auch Leonardo DiCaprio besaß eine Bulldogge, die mittlerweile aber verstorben ist.

Gamins Herrchen konnte sich übrigens in eines der wenigen Rettungsbote retten. Gleiches galt für Samuel Goldenberg. Dieser war nur an Bord der Titanic, weil er als Richter bei einer French Bulldog Hundeschau im Waldorf-Astoria fungieren sollte. Diese wurde nur 6 Tage nach dem Untergang abgehalten. Goldenberg selbst war ein erfolgreicher Züchter von Französischen Bulldoggen und hatte bereits Exemplare in die Vereinigten Staaten importiert. Er erreichte New York am 18. April 1912. Nach einem Tag Verschnaufpause nahm er seine Pflichten als Richter am 20. April gewissenhaft wahr.

Servicehund im Ersten Weltkrieg – Mutt

Mutt war eine Französische Bulldogge und gehörte dem YMCA (Christlicher Verein junger Männer). Seine Aufgabe war es Zigaretten in die Schützengräben zu bringen und den Soldaten so ein wenig Ablenkung zu verschaffen.

Der tapfere Frenchie wurde wohl mehrfach während seiner Dienstzeit verwundet, aber zum Glück nie so schwer, dass er seiner Arbeit nicht mehr nachkommen konnte. Nach dem Krieg ging Mutt mit den Soldaten zurück in die USA und in seinen wohlverdienten Ruhestand. Er wurde dabei an Bord eines Schiffes geschmuggelt und konnte so sicher in die Heimat zurückkehren.

Eine Bulldogge in der russichen Zarenfamilie: Ortipo

Die Romanows waren für ihre Tierliebe bekannt. Auch Großfürstin Tatjana war da keine Ausnahme. Sie arbeitete während des Ersten Weltkrieges als Krankenschwester für das Rote Kreuz und pflegte viele Verwundete. Darunter auch den Offizier Dimitri Malama.

Dieser schenkte ihr 2014 eine Französische Bulldogge und Tatjana gab ihr den Namen Ortipo. Während Dimitri schon als Schwiegersohn der Zarenfamilie gehandelt wurde und sich die aufblühende Liebesbeziehung zwischen ihm und Tatjana langsam entwickelte, stand die Beziehung jedoch unter keinem guten Stern. Dimitri fiel 1919 im Krieg. Auch Tatjana erwartete ein grausames Schicksal.

Als die Zarenfamilie 1917 ins Exil ging, nahmen sie drei Hunde mit. Darunter auch Orpito. Die Zeit im Exil war aber nur von kurzer Dauer. Während die Familie im Sommer 1918 hingerichtet wurde, überlebte die Französische Bulldogge zunächst. Sie soll aber später von einem verärgerten Wachmann getötet worden sein, weil sie zu viel gebellt habe.


Berühmte Besitzer von Französischen Bulldoggen

Der kleine Franzose erobert seit Jahrzehnten weltweit die Herzen von Hundefans. So gibt es zahlreiche berühmte Persönlichkeiten, die eine Französische Bulldogge haben oder einmal hatten.

Dazu zählen:

Dwayne (The Rock) Johnson (Schauspieler) – Hobbs (benannt nach dem Charakter Luke Hobbs aus „Fast and Furious“)
Hugh Jackman (Schauspieler) – Mochi
Leonardo DiCaprio (Schauspieler) – Django
Reese Witherspoon (Schauspielerin) – Coco Chanel
James Cameron (Regisseur) – Thierry (diese Bulldogge war auch im Film Titanic zu sehen)
Christina Ricci (Schauspielerin) – Ramon
Denise Richards (Schauspielerin) – Hank
Martha Stewart (Schriftstellerin und Businessfrau) – Creme Brûlée / Bête Noire / Francesca
Christina Perri (Sängerin) – Pistachio
Zach Braff (Schauspieler und Regisseur) – Scooter
Hilary Duff (Schauspielerin und Sängerin) – Beau
Ashley Olsen (Schauspielerin und Produzentin) – Cutie
Yves Saint Laurent (Modedesigner) – Music
Prince (The Symbol – Sänger) – Devour
Lady Gaga (Sängerin und Schauspielerin) – Asia
Victoria Beckham (Sängerin) – Coco
Ashlee Simpson (Sängerin und Schauspielerin) – Alabama
Carrie Fisher (Schauspielerin und Drehbuchautorin) – Gary
Gil Ofarim (Sänger) – Callas

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